Skidurchquerung Allgäuer Alpen Ost

Skidurchquerung Allgäuer Alpen Ost
Blick nach Osten kurz vor Sonnenuntergang: bald ist das Prinz-Luitpoldhaus erreicht.

Ein lang gehegter Wunsch ging letztes Jahr im Hochwinter, bzw. Mitte Februar in Erfüllung: eine Skidurchquerung der Allgäuer Alpen, bzw. drei Skitourentage am Prinz-Luitpoldhaus. Dank dem Busbetrieb bis zum Giebelhaus war die Anreise nicht all zu weit und beschwerlich. Es herrschte bestes und stabiles Winterwetter. Abends bildete sich in den Tallagen Nebel, der dann während der kalten Nacht dem Wald ein glitzerndes Winterkleid bescherte. Die Schneelage war dürftig, aber in den Hochlagen ausreichend, der Schnee südseitig hart, nordseitig pulverig bei sehr sicheren Lawinenverhältnissen. An windexponierten Stellen war der Schnee meist sehr hart. Insgesamt also sehr gute Bedingungen für eine Durchquerung der Allgäuer Alpen mit Ski.

 

Skidurchquerung Allgäuer Alpen Tag I – Prinz-Luitpoldhaus und Weittalkopf

Nach einer kurzen Rast im fast leeren Winterraum auf dem Prinz-Luitpoldhaus ging es weiter über das Obere Balkenkar zum Weittalkopf. Alternativ wären auch der Kreuzkopf oder beide Gipfel möglich gewesen. Links lasse ich die eindrucksvolle Fuchskarspitze und die Balkenscharte liegen, und steige weiter in eine Scharte. Immer wieder achte ich auf den Schnee um für die Abfahrt möglichst viele Passagen mit Pulverschnee zu erwischen. Den Gipfel erreiche ich zu Fuß, wo ich die Sonne des späten Nachmittags genieße, die während des Aufstieges im schattigen Nordkar nicht zu mir dringen konnte. Außerdem sehe ich zwei Tourengeher, die zum gleichen Gipfel wollen.

Zweiter Aufstieg unterhalb der Kreuzspitze

Erst einmal fahre ich dann ca. 300 Höhenmeter ab und steige noch einmal in Richtung Kreuzspitze bis zum Wandfuß auf. Hier hat der Schnee zwar auch teilweise einen leichten Winddeckel, ist aber noch gut fahrbar. Wieder genieße ich die letzten Sonnenstrahlen und beobachte die beiden anderen Skitourengeher auf dem Weg zum und auf dem Gipfel. Ihre Silhouetten heben sich schön ab gegen das Wolkenmeer im Hintergrund. Ansonsten begleiten mich nur hin und wieder ein paar Vögel. Schließlich fahren wir zu dritt zusammen zurück zur Hütte und suchen dabei den günstigsten Weg, um sowohl den Steinen als auch dem Windharsch auszuweichen.

Der Winterraum des Prinz-Luitpoldhauses

Der Winterraum des Prinz-Luitpoldhauses ist unkonventionell gebaut. Wie ein großes Zelt in einer Dreiecksform bietet er einen großen Raum mit der Küche, den Tischen und Stühlen, und den Lagerplätzen entlang den Dachschrägen sowie eine Etage darüber in einem kleineren Raum. Nur der Vorraum könnte etwas größer sein, um mehr Platz für das An- und Ausziehen der Schuhe zu bieten. Insgesamt ein sehr ansprechender und gemütlicher Winterraum, wenn man von der Toilette absieht, die sehr unangenehm gerochen hat. Aber das ist überall das Problem, wenn Stuhl und Urin nicht getrennt werden.

Nach einer unruhigen Nacht, bedingt sowohl durch den Wind als auch Unregelmäßigkeiten der eigenen Verdauung, stehe ich mit den anderen auf, um mich auf den kommenden Tag vorzubereiten. Jemand heizt ein, und verbrennt dabei aus Versehen eine Einlage von meinen Innenschuh, aber glücklicherweise hat dies den Tag nicht beeinträchtigt. Nach einem kurzen Frühstück packe ich meinen Rucksack – ein Teil bleibt zurück auf der Hütte -, und breche um kurz vor acht Uhr auf zur Bockkarscharte zwischen Glasfelderkopf und Kesselspitz.

Skidurchquerung Allgäuer Alpen Tag II – der Große Rosszahn

Aber erst einmal geht es in die Bockkarscharte und von dort 1000 Höhenmeter in der Abfahrt ins Schwarzwassertal. Das ist eine der längsten und schönsten Skiabfahrten in den Allgäuer Alpen, und wohl mit ein Grund, dass eine Durchschreitung der Allgäuer Alpen mit Ski mit dem Prinz-Luitpoldhaus als Stützpunkt oder Etappenziel sich großer Beliebtheit erfreut. Es ist eine grandiose Abfahrt mit Ostausrichtung. Im Hochwinter gibt es hier oft noch Pulverschnee, so auch diesmal, und viele haben ihre Spuren schon hinterlassen. Die Südostlagen sind hart gewesen. 

Von oben war ich mir nicht sicher, dass im Talgrund genügend Schnee liegen würde, aber auf den Wegen reichte er gut aus, bis ich den Bach auf der Höhe der Siegelseen überquerte. Dort folgte ich erst einem Forstweg, bog dann aber zu früh rechts ab und verstieg mich im Wald. Das hat einige Zeit gekostet, aber schließlich finde ich wieder zurück zur Aufstiegsroute ins Rosskar. Wegen der geringen Schneelage ziehe ich es vor, mich im Aufstieg links zu halten, weil dort mehr Flächen frei von Latschen zu sehen sind. Aber auch so hieß es achtsam sein, um mich nicht zu sehr in den Latschen zu verlieren.

Der weite Weg zum Großen Rosszahn oder der Rosskarscharte

Endlich komme ich im Karboden an und frage mich, ob es nicht für diesen Tag zu ambitioniert wäre, auf den Großen Rosszahn zu gehen. Ich entscheide mich auf den Gipfel zu verzichten und stattdessen nur in die Rosskarscharte aufzusteigen. Schließlich will ich noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder zum Prinz-Luitpoldhaus kommen. Die 1000 Höhenmeter zurück in die Bockkarscharte werden mir vor Ende des Tages noch einiges abverlangen.

Die Spurarbeit alleine durch den vielen Pulverschnee ist anstrengend. Schließlich bin ich kurz vor halb zwei in der Rosskarscharte und mache ein paar Aufnahmen, bevor ich zu Mittag esse. Schön ist es, nach vielen Schattenpassagen im Aufstieg in der Scharte die Sonne, sowie die Aussicht auf die Hornbachkette und den Hochvogel zu genießen. Ich denke, es war eine gute Entscheidung, auf den Gipfel des Großen Rosszahns zu verzichten. Dieser hätte mich vielleicht noch eine Stunde mehr gekostet, die mir am Ende für die letzte Abfahrt zurück zum Prinz-Luitpoldhaus gefehlt hätten. Erstaunt war ich, dass bei dem wenigen Schnee sogar Spuren zum Kaufbeurer Haus zu sehen waren. Meine Vermutung ist, dass damit einige Tragestellen verbunden waren, vor allem bei der Abfahrt.

Der lange Weg zurück zum Prinz-Luitpoldhaus

Nun folgen wieder knapp 1000 Höhenmeter Abfahrt durch herrlichen Pulverschnee zurück ins Schwarzwassertal. Weit und breit ist niemand zu sehen, und auch die restliche Zeit zurück zur Hütte treffe ich auf keinen Menschen mehr. Nach der erneuten Überquerung des Schwarzwasserbaches durch eine furtähnliche Flachzone trete ich den Rückweg zur Hütte an. Dieser zieht sich zuerst das lange Tal hinter, dann wieder die 1000 Höhenmeter bis zur Bockkarscharte hoch. Wenn ich diese hinter mir habe, werde ich an diesem Tag knapp 2400 Höhenmeter im Aufstieg und zurück an der Hütte eine Distanz von knapp 24 km überwunden haben. Das ist sehr viel für meine Verhältnisse. Aber es war die Mühe wert und wunderschön, im letzten Licht auf die Hütte zuzufahren.

Schon lange wollte ich eine Skitour ins Rosskar unternehmen, aber der Anmarsch aus dem Lechtal erschien mir bisher immer zu weit. Es handelt sich auf jeden Fall um herrliches Skigelände, wie auch bei der daneben liegenden Stallkarspitze. Alternativ gäbe es zum Großen Rosszahn vielleicht auch eine Aufstiegsmöglichkeit über das Klupperkar, wenn man das Prinz-Luitpoldhaus als Stützpunkt nutzt. Zumindest sah ich aus der Ferne Aufstiegsspuren.

Über dem abendlichen Nebelmeer kurz vor der Bockkarscharte
Über dem abendlichen Nebelmeer kurz vor Erreichen der Bockkarscharte.

 

Der letzte Aufstieg des Tages in die Bockkarscharte – schaffe ich es bis Sonnenuntergang?

Beim Aufstieg zurück in die Bockkarscharte habe ich immer die Zeit im Blick, um ja nicht doch noch in die Dunkelheit zu kommen. Die letzte Abfahrt wird wegen der Schneequalität nicht so prickelnd werden: der Schnee ist zum großen Teil hart, teilweise sogar harschig. Der Rückblick ins Lechtal zeigt die vielen Farbveränderungen am Himmel und in der Landschaft bei zunehmender Dämmerung. Gottseidank schaffe ich es rechtzeitig in die Scharte, bevor es dunkel wird. Ich bin erleichtert und auch erschöpft. Vier Stunden später, nachdem ich aus der Rosskarscharte abgefahren bin.

Was für eine Wohltat, nach so einem langen Tag auf eine warme Hütte zu kommen und am Feuer zu essen und zu entspannen. Die zweite Nacht sollte erneut windig, aber klar auf dieser Höhe sein, während im Tal sich wieder Nebel bildete. Zwei Tourengeher sind an diesem Tag wie ich von der Bockkarscharte abgefahren und dann weiter über die Landsberger Hütte nach Halden. Zumindest war das der Plan. Beim Gegenanstieg durften sie aber erst mal 200-300 Höhenmeter ihre Ski tragen.

 

Skidurchquerung Allgäuer Alpen Tag III – zurück nach Hinterstein

Den dritten Tag lasse ich ruhiger angehen. Schließlich habe ich nur ca. 900 Höhenmeter Aufstieg und eine Distanz von knapp 10 km vor mir. Dafür aber wieder viele Höhenmeter in der Abfahrt: ca. 1700. Ich starte kurz vor halb neun im Schatten am Prinz-Luitpoldhaus. Die zwei vom ersten Tag brechen früher auf, weil sie auch zur Landsberger Hütte wollen. Die ersten Sonnenstrahlen streifen den Wiedemerkopf. Die Gämsen spielen im Schatten an der Nördlichen Fuchskarspitze, während ich langsam in die Sonne in etwa auf der Route vom Jubiläumsweg komme. Ansonsten bin ich wieder alleine unterwegs.

Ich gönne mir den Tag gemütlich angehen zu lassen, und entscheide mich, auch den Glasfelder Kopf zu besteigen und die Sonne an dem südseitigen Aufstieg, sowie das Panorama am Gipfel zu genießen. Schließlich geht es weiter und ich fahre bis auf ca. 1400 Metern Höhe durch das Bockkar und dann querend in Richtung Reitgehrenbachtobel ab. Der letzte Aufstieg dieser Unternehmung in den „Sattel der Notländ“ von ca. 450 Höhenmetern steht bevor.

Ein etwas heikler letzter Anstieg in der Mittagssonne

Ich wähle einen möglichst direkten Anstieg und quere den Reitgehrenbach auf einer Höhe von etwa 1600 Metern. Nun folgen 200 Höhenmeter in recht steilem, südseitigem Gelände, wobei die Steilheit zwischen 30 und 40° variiert. Kritisch dabei ist nicht die Steilheit an sich, sondern die Wärme der Sonne, die den Schnee aufweicht. Den kritischen Bereich überwinde ich in der Zeit zwischen 11 und 11.45 Uhr. Die Frage, ob der Hang hält oder ob der Schnee in der Sonne schon zu weich ist, ist immer präsent. Ich bin mir nicht sicher, gehe aber weiter, einer alten Spur folgend.

Natürlich hätte ich auch einen großen Bogen machen können, und weniger steiles Gelände wählen können. Dann hätte ich allerdings wieder im Pulverschnee eine Spur anlegen müssen. Ich gebe zu, dass ich das Risiko bei meiner Entscheidung nicht voll einschätzen konnte. Erleichtert und ohne Schwierigkeiten komme ich oben im flachen Gelände an. Nun ist es nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt der restlichen Etappe und ich suche einen Platz für die Mittagsrast. Wie schön, dass wieder ausgiebig die Sonne scheint und mich oben auf dem Gelände des Notländ wärmt.

Abschluss der Skidurchquerung Allgäuer Alpen Ost: Abfahrt durch das Erzbergtal

Die letzte Abfahrt führt durch das Erzbergtal zurück zur Hubertuskappelle im Hintersteiner Tal. Es handelt sich um eine nordseitige Abfahrt durch schönes Skigelände. Weil relativ wenig Schnee liegt, kommt es dabei zu einem Kontakt mit einem großen Stein unterhalb der Schneeoberfläche, der eine böse Schramme auf dem Belag hinterlässt. Glücklicherweise kein Sturz. Naja, mit so etwas ist in einem Winter wie diesem zu rechnen. Deshalb sind auch die Latschenhänge wieder nicht vollständig vom Schnee überdeckt. Der Weg führt am Mitterhof der Alpe Erzberg vorbei und weiter über den teilweise aperen Alpweg. Und dann ist es vorbei und geschafft. An der Kapelle schalte ich das das LVS-Gerät aus, ziehe mich um und warte in der Sonne auf den Bus zurück nach Hinterstein. 

Ich bin sehr froh über dieses kurze Abenteuer einer Teildurchquerung der Allgäuer Alpen. Ich fühle Erleichterung und Dankbarkeit, dass alles so gut ging. Immerhin war ich im Winter drei Tage alleine in den Bergen der Allgäuer. Da klingt auch Stolz und Zufriedenheit über diese Leistung mit an. Ein lang gehegter Traum ging in Erfüllung, nachdem ich schon zwei Mal eine Skidurchquerung mit Kristian Rath absagen musste. 

Varianten für eine Skidurchquerung der Allgäuer Alpen

Varianten für eine Skidurchquerung der Allgäuer Alpen gibt es genug. Sie stellen anspruchsvolle Unternehmungen dar und sind dem versierten und erfahrenen Skitourengänger vorbehalten. Erforderlich sind dafür auf jeden Fall sichere Verhältnisse, also eine geringe Lawinengefahr. Denkbar sind Zwei- oder Dreitagestouren für den östlichen Teil der Allgäuer Alpen. Oder auch mehrere Tage, die im Kleinwalsertal oder in Lechleiten im Lechtal beginnen und die ganzen Allgäuer Alpen mit einbeziehen. Oder auch in Oberstdorf beginnen und die Kemptener Hütte oder gar das Waltenberger Haus als ersten Stützpunkt nutzen. Denkbar ist auch Sonthofen, bzw. Altstädten als Ausgangspunkt, allerdings muss dabei erst einmal der Rücken des Sonnenkopfes und der Nordanstieg zum Großen Daumen bewältigt werden. Damit wäre der erste Stützpunkt wohl nicht das Prinz-Luitpoldhaus, sondern die Schwarzenberghütte.

Anmerkung: Es gibt in den Allgäuer Alpen eine weitere Bockkarscharte, die im Winter in meinen Augen schwieriger zu erreichen ist. Sie liegt oberhalb des Waltenberger Hauses und trennt die Hochfrottspitze und den Bockkarkopf.

 

This Post Has 2 Comments

  1. Vielen Dank für diesen tollen Tourenbericht! Die Bilder vom Weittalkopf und der Stimmung am Prinz-Luitpoldhaus fangen die winterliche Ruhe in den Allgäuer Alpen wirklich perfekt ein. Ich finde es klasse, dass du uns so detailliert an deinen Überlegungen zur Linienwahl im Pulverschnee und den gemütlichen (wenn auch geruchsintensiven) Abenden im Winterraum teilhaben lässt. Mein Tipp für dich: Um die beeindruckenden Silhouetten der Tourengeher gegen das Wolkenmeer noch stärker zu betonen, könntest du bei solchen Gegenlichtsituationen eine leichte Unterbelichtung wählen, um die Konturen noch schärfer und grafischer wirken zu lassen. Ich finds aber auch so schon sehr gute gelungene Fotos!

    1. Hey Marc, danke für deinen Kommentar und die Zeit, die du dir genommen hast, meinen Bericht zu lesen, und danke für den Tipp. Ja, da hast du einen Punkt, oft sind meine Fotos trotz aller Vorsicht etwas zu hell, und auf Tour korrigiere ich das nicht immer.
      Gehst du auch auf Skitour, oder warst du schon mal auf dem Prinz-Luitpoldhaus?

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