Heiligkeit

Heiligkeit

Für viele Menschen gehört das Wort „Heiligkeit“ wohl nicht zu ihrer Alltagssprache. Der Begriff „Heiligkeit“ wird z. B. in der Anrede von Oberhäuptern von Konfessionen oder Religionen verwendet, z. B. „Eure Heiligkeit“, für den Dalai Lama oder den Papst der katholischen Kirche. Die katholische Kirche prägte unsere Vorstellungen über die Begriffe „heilig“ und „Heiligkeit, indem sie über Jahrhunderte viele Menschen „heilig“ gesprochen hatte, die ein Martyrium oder einen heroischen Tugendgrad aufwiesen, oder denen ein Wunder nachgewiesen werden konnte. Vor einigen Jahren hat der Papst ein weiteres Kriterium hinzugefügt, nämlich das der freien und freiwilligen Hingabe des eigenen Lebens aus Nächstenliebe für andere Menschen.

Bedeutungen von Heiligkeit

Heiligkeit steht aber auch für das, was uns Menschen unantastbar ist, weil es von sehr hohem Wert oder vollkommen für uns ist. Z. B. wenn dir dein Mittagsschlaf heilig ist, lässt du dich nicht davon abbringen, jeden Tag einen solchen zu halten. Aus dem Wort „heilfroh“ spricht die Bedeutung von „ganz und gar“. Ursprünglich liegt dem Wort wohl die Bedeutung von „heilbringend“, „heilvoll“ zugrunde. Scheinheilig kommt uns jemand vor, der in seinen Taten eine Haltung oder Einstellung vortäuscht, die er nicht hat oder zu oft verletzt.

Stille und Heiligkeit der Bäume
Abstrakte Bäume in der Dämmerung, festgehalten mit einer Verschlusszeit von 10 sec.

Ist Heiligkeit ein Gefühl?

In meinem Alltag nutze ich das Wort am ehesten für Gegenstände der Natur. Verbunden damit ist ein Gefühl, das Gegenstände oder Situationen in der Natur in mir hervorrufen. Meist assoziiere ich damit eine Vorstellung von Größe oder Erhabenheit, von Schönheit und Würde. Bäume oder Berge können dies in mir wecken, vielleicht wegen ihrer Stille, ihrer Unbeweglichkeit. Sie halten aller Unbill des Wetters scheinbar kommentarlos stand. Ich bin geneigt in solche Umstände eine Qualität der Hingabe zu projizieren.

Heiligkeit versus Sünde

Seit ich mich mit „Ein Kurs in Wundern“ beschäftige, lerne ich eine neue Bedeutung oder Anwendung der Worte „heilig“ und „Heiligkeit“. Negative Formulierungen des gleichen Gehaltes stellen die Worte „sündenlos“ und „Sündenlosigkeit“ dar. Wesensmerkmale aller Schöpfung, aller Geschöpfe Gottes ist Heiligkeit oder Sündenlosigkeit. Anders als für die Kirche gilt dies aber nicht nur für einzelne wenige Gestalten wie Jesus oder vielleicht auch für heilig gesprochene Menschen, sondern für jeden Menschen. 

Kirchliche und kulturelle Indoktrination

Die Kirche und unsere Kultur hat uns etwas anderes indoktriniert. Ich erinnere an die Idee der Erbsünde, wonach wir alle die Missetat von Adam, bzw. den daraus folgenden Zustand der Sünde erben und von Geburt an befleckt seien. Die Taufe würde die Sünde vertreiben, aber jederzeit können wir wieder durch eine „falsche“ Tat in den Zustand der Sünde zurückfallen. Immer wird der Gegensatz von Gut und Böse betont. Tatsache ist aber, dass wir freie Menschen sind, deren Entscheidungen von niemandem außer uns selbst beurteilt werden. Gott vergibt nicht. Wieso auch, wenn er Er nie verurteilt hat. Die Kirche hatte anscheinend etwas anderes im Sinn. Sie spezialisierte sich darauf, den Menschen Angst machen und sie zu kontrollieren. Sie stellte sicher, dass die Menschen in Verwirrung und Abhängigkeit leben.

Warum sind wir heilig?

Nicht der Entscheidung eines Papstes ist es geschuldet, dass wir heilig sind, sondern der unveränderlichen Tatsache, dass wir Kinder Gottes sind. Du, ich, wir sind heilig, weil Gott uns erschaffen hat. Ob wir dies vergessen, leugnen, abstreiten oder anzweifeln, ist unerheblich für unsere Natur und unseren wahren Zustand. Wir können diesen nicht verändern. Wir können lediglich denken, dass wir das können. Die meisten Menschen glauben, dass wir von allen Dingen und Wesen getrennt sind, oder dass wir alleine im Universum sind.

Wir sind heilig und vollkommen, weil wir von einem vollkommenen Schöpfer erschaffen wurden. Unsere Heiligkeit ist weder eine Frage der Leistung, der Bildung, der Haltung oder der Tugend. Sie ist nicht abhängig von irgend welchen Merkmalen unseres Körpers. Sie ist an keine Bedingungen geknüpft, und wir teilen diese Eigenschaft mit allen Wesen, der Natur und dem Universum gleichermaßen wie mit unserer Quelle. Darin liegt unsere Würde begründet. Gott hat uns erschaffen nach Seinem Gedanken oder Seinem Ebenbild. Damit teilen wir Seine Eigenschaften: Ganzheit, Ewigkeit, unbegrenzte schöpferische Macht, Unendlichkeit, Freiheit sind einige davon.

Wo stehen wir? Es muss einen besseren Weg geben

Weil wir als Menschen allerhand gelernt haben, das nicht wahr ist, brauchen wir ein neues Training für unseren Geist, wenn wir unseren natürlichen Zustand wieder erkennen wollen und unsere Macht zu unserem Wohle nutzen wollen. Wir haben gewöhnlich kaum eine Vorstellung davon, wie weit wir von unserer wahren Natur entfernt sind durch falsche Programmierungen, Überzeugungen und Selbstkonzepte, die letztlich alle auf Angst zurückzuführen sind. Wir denken, wir sind getrennte Individuen, sterblich, klein, schwach und anfällig für alle möglichen Krankheiten. Unser machtvoller Geist macht eine Welt, die uns diese Gedanken als Wirklichkeit vorspiegelt. Und in unseren Reaktionen auf diese äußere Welt bestätigen wir unsere Überzeugung. Niemand, der weiß, dass er ein Spiegelbild sieht, kämpft mit ihm oder verteidigt sich gegen dieses. In unserem Unwissen wissen wir nur, dass wir nicht damit glücklich sind und werden. Viele zumindest. Und es werden mehr, die sagen: „Es muss einen besseren Weg geben.“

Unsere Gefühle würden uns aus unseren falschen Vorstellungen heraus lotsen, wenn wir verstünden, sie zu lesen und ihnen zu folgen. Wenn wir traurig, wütend oder frustriert sind, interpretieren wir dies meist so, dass wir oder jemand anderer etwas falsch gemacht haben. Dass wir uns nur mehr anstrengen müssen oder dass die Welt eben so ist, wie sie ist, und dass wir eben nichts machen könnten. Würden wir jedes negative Gefühl als einen Fingerzeig begreifen, dass wir etwas gedacht haben, das nicht wahr ist, könnten wir uns daran machen, unsere Fehler im Denken zu korrigieren. Nur dieses Ändern unseres Denkens und Geistes kann uns dauerhaftes Glück und Freude bringen. Für diese Transformation – und das ist es in der Tat, was wir brauchen – ist uns das Werkzeug „Ein Kurs in Wundern“ an die Hand gegeben.

Wir sind machtvolle Schöpfer, aber was erschaffen wir?

Unser Geist ist unendlich machtvoll, und wir können Wunder wirken, wenn wir den Gesetzen Gottes oder der Schöpfung entsprechend denken lernen. In der Manipulation, der wir in dieser Welt in vielen Fällen nachgeben, fokussieren wir uns auf das, was uns klein hält und krank macht, auf Konflikt und unsere vielfältigen Ängste. Oder auf das, was uns nach unserer Ansicht nach hilft, Sicherheit zu gewinnen, wohl wissend, dass es diese letztlich in dieser konditionierten Denkweise nicht gibt. Mit dem, womit wir uns in unserem Geist beschäftigen, sagen wir dem Universum, dass wir mehr davon wollen, und das Universum liefert. Wir haben immer die Wahl. Folgen wir den täuschenden Angeboten der Welt, oder der Stimme in uns, die uns hilft, einen glücklichen Traum zu träumen und uns zu der Erinnerung an unser Zuhause im Himmel führt?

Schneebedeckter Berg, heiliger Berg?
Schneebedeckter Berg, heiliger Berg? Zu sehen sind Öfnerspitze und Fürschießer.

 

„Ich gehe mit Gott in vollkommener Heiligkeit“

In der Lektion 156 von Ein Kurs in Wundern lerne ich, mich auf meine Heiligkeit und inneres Licht zu konzentrieren.

„Der heutige Leitgedanke stellt nur die simple Wahrheit fest, die den Gedanken der Sünde unmöglich macht. Er verspricht, dass es keine Ursache für die Schuld gibt, und da sie ohne Ursache ist, existiert sie nicht. Er folgt sicher aus dem Grundgedanken, der im Text so oft erwähnt wird: Gedanken verlassen ihre Quelle nicht. Und wenn dies wahr ist, wie kannst du dann getrennt von Gott sein? Wie könntest du allein und separat von deiner Quelle durch die Welt gehen?“

Hier sehen wir sofort, dass viele unserer Vorstellungen falsch sein müssen, wenn dies stimmt.

„Wir sind nicht inkonsequent in den Gedanken, die wir in unserem Lehrplan unterbreiten. So muss die Wahrheit, soll sie wahr sein, durchweg wahr sein. Sie kann sich selbst nicht widersprechen und nicht in Teilen ungewiss, in andern sicher sein. Du kannst nicht getrennt von Gott durch die Welt gehen, weil du nicht ohne ihn sein könntest. Er ist das, was dein Leben ist. Wo du bist, da ist er. Es gibt ein Leben. Dieses Leben teilst du mit ihm. Nichts kann von ihm getrennt sein und leben.“

Wenn Astronauten die Welt aus dem All betrachten, sehen sie EINE Welt, nicht viele verschiedene und von Grenzen getrennte Länder. Grenzen sind ganz und gar willkürlich und nicht dem Leben dienlich. Die Grenzen, die wir zwischen uns Menschen, zwischen uns und anderen Lebewesen ziehen, sind auch willkürlich und täuschen uns, lassen uns glauben, dass es eben nicht EIN Leben gibt. 

„Doch da, wo er ist, muss sowohl Heiligkeit sein als auch Leben. Keine seiner Eigenschaften wird nicht geteilt von allem, was da lebt. Was lebt, ist heilig wie er selbst, weil das, was sein Leben teilt, Teil der Heiligkeit ist und ebenso wenig sündig sein kann, wie die Sonne beschließen könnte, aus Eis zu sein, oder das Meer sich dazu entscheiden könnte, getrennt zu sein vom Wasser, oder das Gras, mit Wurzeln in der Luft zu wachsen.“

„Es gibt ein Licht in dir, welches nicht sterben kann, dessen Gegenwart so heilig ist, dass die Welt geheiligt ist um deinetwegen. Alle Lebewesen bringen dir Gaben und legen sie in Dankbarkeit und Freuden dir zu Füßen. Der Blumen Duft ist ihre Gabe an dich. Die Wellen neigen sich vor dir, und die Bäume breiten ihre Zweige aus, um dich zu schützen vor der Hitze, und legen ihre Blätter vor dir auf den Boden, auf dass du weich gehen mögest, dieweil der Wind zu einem Säuseln um dein heiliges Haupt verebbt.“

Wenn dem so ist, warum leiden wir, warum sind wir traurig, depressiv und ohne Hoffnung? Warum fürchten wir uns? Weil wir eine Welt erschaffen haben, die uns Trennung und Konflikt spiegelt. Wir glauben, wir leben in einem gebrechlichen Körper, der gegen jede Unbill des Schicksals geschützt werden müsse. Ständig urteilen wir über andere Menschen und Ereignisse. Und wir glauben, dass unsere Urteile nicht zuerst uns selbst treffen. Das, worauf wir uns konzentrieren, wird mehr in unserem Leben werden.

„Das Licht in dir ist es, was zu erblicken sich das Universum sehnt. Alle Lebewesen sind still vor dir, denn sie nehmen wahr, wer mit dir geht. Das Licht, das du trägst, ist ihr eigenes. Und somit sehen sie ihre Heiligkeit in dir und grüßen dich als Erlöser und als Gott. Nimm ihre Ehrerbietung an, denn sie gebührt der Heiligkeit selbst, die mit dir geht und in ihrem sanften Licht alle Dinge in ihr Ebenbild verwandelt und in ihre Reinheit.“

Welche eine wunderbare Einladung auf eine andere Art und Weise auf uns zu schauen! Willst du diese Ehrerbietung annehmen und sie dir zu eigen machen? Das wird den Abschied von vielen falschen Vorstellungen nötig machen.

„Das ist die Art, wie die Erlösung wirkt. Während du zurücktrittst, tritt das Licht in dir hervor und umfasst die Welt. Es kündigt nicht das Ende der Sünde durch Strafe und durch Tod an. In Leichtigkeit und Lachen ist die Sünde vergangen, weil ihre wunderliche Absurdität gesehen wird. Sie ist ein törichter Gedanke, ein dummer Traum, nicht beängstigend, womöglich lächerlich; aber wer würde bei der Annäherung an Gott selbst auch nur einen Augenblick an eine derart sinnlose Laune verschwenden?“

Wer würde seine Energie und sein Leben an Angst und Tod verschwenden, wenn er sieht, wie die Folgen der Sünde geheilt werden und verschwinden? 

„Und dennoch hast du viele, viele Jahre an ebendiesen törichten Gedanken verschwendet. Die Vergangenheit ist vergangen, mit allen ihren Phantasien. Du bist nicht mehr durch sie gebunden. Die Annäherung an Gott ist nicht mehr fern. Und in der kleinen Spanne Zweifel, die immer noch besteht, da mag es sein, dass du deinen Gefährten aus den Augen verlierst und ihn für den sinnlosen, alten Traum hältst, der nun vergangen ist.

»Wer geht mit mir?« Diese Frage sollte man tausendmal am Tag stellen, bis die Gewissheit dem Zweifeln ein Ende gesetzt und den Frieden begründet hat. Lass heute das Zweifeln verklingen. Gott spricht für dich, indem er mit diesen Worten Antwort auf deine Frage gibt:

Ich gehe mit Gott in vollkommener Heiligkeit. Ich erhelle die Welt, ich erhelle meinen Geist und jeden Geist, den Gott als eins mit mir erschaffen hat.“

Es ist ein Geistestraining, das kaum Ergebnisse von heute auf morgen zeigen wird. Wir sind tief verstrickt in falsches Denken, Angst und Konflikt. Aber wenn wir uns entscheiden, dass es etwas besseres geben muss als das, war wir bisher erfahren haben, und wenn wir sagen, „ja, das will ich“, dann erfahren wir auch die Unterstützung, die wir brauchen um unseren Geist zu heilen. 

 

Zu den Bildern: Die Bilder sind auf einer Wanderung mit dem Startpunkt Tiefenbach entstanden. Mit dabei waren ein Stativ und ein 300mm Zoom-Objektiv.

 

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Sehr schöner Text, der genau zusammenfasst, um was es geht. Die Rück-Anbindung und das Überwinden der Trennung von der Quelle. Heiligkeit könnte auch mit dem Begriff Vollkommenheit verglichen werden. Auch in der Buchhaltung gibt es den Begriff Heilen. Wenn eine Buchführung nicht sachgemäß oder „vollkommen“ ist, kann das „geheilt“ werden. Auch in alten Übersetzungen wird das Wort Sünde mit „vom ursprünglichen Weg abkommen“, „sein wahres Potenzial verfehlen“, definiert.
    Danke für diese inspirierenden Ausführungen!

    1. Danke Philip, auch für den Hinweis auf die Bedeutung im Kontext der Buchhaltung, das freut mich. Heiligkeit ist für mich auch nahe am Begriff der Vollkommenheit. Ganzheit ist für mich ähnlich nahe. Die Übersetzungen sind mir auch vertraut. Ich glaube, es handelt sich um Begriffe aus dem Aramäischen, der Muttersprache Jesu. Sie betreffen das Bogenschießen. „Kata“ heißt Sünde, und meint den Zustand, den ich schaffe, wenn ich mit dem Pfeil das Ziel verfehle. Nichts, was irgendwie mit Strafe assoziiert wäre oder der Sühne im herkömmlichen Sinne bedürfte. Ich probiere es einfach noch einmal und treffe dann. Es gibt keine Sünde, nur Fehler, die berichtigt werden können.

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