Bergerfahrung – warum ich in die Berge gehe

Bergerfahrung – warum ich in die Berge gehe
Wetterkapriolen: nach Regen und Graupel kommt die Sonne.

Warum ich in die Berge gehe, ist eine gute und berechtigte Frage. Ein Besuch in den Bergen ist unter Umständen mit erheblichen Anstrengungen und Entbehrungen verbunden, erfordert frühes Aufstehen, Planung und Vorbereitung. Bergerfahrung heißt für mich: ich bin oft alleine unterwegs, weil ich nur wenige Menschen kenne, die meine Interessen, Ansprüche und körperliche Fitness teilen. Oft frage ich mich, ob ich nicht öfter alleine gehen möchte, weil mir dies mehr Freiraum für meine Fotografie schenkt. Andererseits schätze ich auch die Kameradschaft und das Teilen gemeinsamer Erfahrung, weswegen ich nicht abgeneigt wäre, einen Kletterpartner zu finden, der zu mir passt und mit der entsprechenden Sicherungstechnik vertraut ist.

Hochgebirge
Gebirge oder Hochgebirge?

Warum also gehe ich in die Berge? Was suche und finde ich in den Bergen? Ich schätze die Ursprünglichkeit, die Reinheit und die Wildheit der Natur. Damit meine ich eine Erfahrung der Natur, die dem direkten Zugriff des Menschen zu einem großen Teil entzogen ist. Ich finde Schönheit und Herrlichkeit in der Natur. Ich erfahre dadurch eine Verbindung mit etwas, das größer ist als ich, größer als das, was Menschen in ihren begrenzten Horizonten ersinnen. Das erweckt in mir Staunen und Ehrfurcht, Dankbarkeit und ein erhabenes Gefühl von Freiheit, weil mir darin keine der menschlichen Begrenzungen auferlegt sind, die die Gesellschaften heutiger Prägung immer stärker zuschnüren. Ich bin mein eigener Herr und nur durch meine eigenen Überzeugungen begrenzt.

Bergerfahrung: Rauhe Schönheit
Bergerfahrung: die rauhe Schönheit der Lechtaler Alpen

Bergerfahrung – Stärke und Risiko

Wenn ich in die Berge gehe, nehme ich kein Smartphone oder Handy mit. Ich sage mir, ich brauche es nicht. Ich brauche es nicht, um Mensch zu sein. Ich verfüge über genug Kräfte und Fähigkeiten mich zu orientieren. Unvorhergesehene Herausforderungen oder Hindernisse kann ich meistern, weil ich gesund und stark bin. Ich stärke meine Kreativität und Leistungsfähigkeit, indem ich mich Herausforderungen stelle. Ich verlasse mich auf das, was in mir steckt. Im Falle eines Unfalls mag meine Überzeugung in Frage gestellt sein, aber ich denke, dass in den Bergen immer ein Risiko besteht und dies nicht ausgeschaltet werden kann außer durch eine klare Geisteshaltung. Es passiert ohnehin immer das, was passieren muss als notwendige Folge meiner Gedanken und Entscheidungen. 

Berge – eine ästhetische Erfahrung

Die Berge sind für mich eine starke ästhetische Erfahrung. Ich begegne in ihnen faszinierenden Elementen der Natur. Das Licht wechselt ständig. Zeit und Raum werden deutlicher, intensiver, hautnaher wahrnehmbar als dies im Alltag für mich der Fall ist. Ich entdecke alle möglichen Formen von Gestein und Geländeformen. Die schiere Größe der Erhebungen, die ich Schritt für Schritt begehe, beeindruckt mich. In den Bergen stille ich mein Bedürfnis nach Autonomie, Freiheit, essentieller Erfahrung, Rückverbindung mit meiner Quelle, meinem Ursprung. Ich erfahre Stärke und Fähigkeiten, die ich mir in Beziehung zu anderen Menschen vielleicht nicht ohne weiteres zutraue. Ich erfahre dabei meine Belastbarkeit, auch Ehrgeiz und sportliche Ambition. Aber meine Bergerfahrung ist für mich mehr als nur Sport, sehr viel mehr. Körperliche Fitness und Stärke sind wichtig und bilden sich heraus, wenn ich mich fordere. Aber die tiefe Erfahrung dahinter und darüber hinaus ist das, was ich in den Bergen suche und finde. Es ist eine Erfahrung von Weite, Größe, Erhabenheit, Abenteuer, Stille, Transzendenz, Schönheit und Freiheit. Manche mögen meinen, ich schwärme oder bin ein Romantiker. Wie dem auch sei, ein Tag in den Bergen bringt mich in Kontakt mit der Größe in mir, vielleicht sind sie mein spezieller Zugang dazu. Meine Bergfotografie steigert vielleicht nicht unwesentlich diese Lebensqualität, meine Liebe zu den Bergen als Folge einer künstlerischen Tätigkeit, die mich erhebt und erbaut.

Angst oder Stärke – Kontrolle oder Freiheit?

Wer Angst hat, ist leichter zu beeinflussen oder zu manipulieren. Angst erhöht den Stresslevel im Körper und aktiviert möglicherweise Reaktionsmuster, die die höheren Gehirnfunktionen ausschalten oder unterdrücken. Unsere Medien und die Werbung sind voll von Angst und Bedrohungsszenarien. Was sagt uns dies, wenn wir annehmen, dass uns nichts gezeigt wird, was wir nicht sehen SOLLEN?

Angst haben
Eine Werbung für ein Medikament, gesehen in Sonthofen. Gibt es gute Gründe, Angst zu haben? In meiner Bergerfahrung folge ich nicht der Angst, sondern konzentriere mich auf meine Stärke und Freude.

Ich glaube, dass sehr viele Überlegungen über lange Zeiträume angestrengt wurden, wie Menschen am besten kontrolliert und geschwächt werden können. Wie man sie dazu bringt, ihre Energie auf Abwege zu richten, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren und klein zu machen. Der Sport ist dafür ein gutes Beispiel. Meist Männer richten dabei ihre inhärente Kriegerenergie („warrior spirit“) nach außen, auf eine Mannschaft, auf ein Geschehen außerhalb von ihnen und gehen im Anschluss passiv nach Hause. Für mich ist es gut vorstellbar, dass auf diese Weise der Ausdruck und die Nutzung männlicher Energie programmiert, kanalisiert und orchestriert wird. Damit männliche Energie pazifiziert, ruhig gestellt wird und der Zuschauer sich nicht gegen Unterdrückung und unhaltbare gesellschaftliche Zustände erhebt. In den Bergen bleibe ich von derlei Manipulation verschont und setze meine Stärke und Kraft unmittelbar ein. Vielleicht erfahre ich damit auch den Krieger in mir.

Die Kontrollstruktur, die sich immer deutlicher in unserer Welt zeigt, regt uns zu Aktivitäten an, die es anderen Akteuren ermöglichen unsere Energie zu ernten und uns schwächen, wenn wir ihnen nachgehen. Worte, Propaganda spielen dabei eine große Rolle, und vor allem Angst, mit der die Menschen ständig angetrieben und von dem abgehalten werden, was sie wirklich wollen. Die Massenmedien liefern ausschließlich, wie es scheint, Gründe für allerlei Ängste. Allein deswegen sage ich, dass es am besten ist, ihnen jegliche Aufmerksamkeit zu entziehen. Die Bergerfahrung ist für mich tausend Mal wertvoller.

Es gibt Alternativen – Angst bringt mich nicht weiter

Ich bin Tina Spalding dankbar, dass sie mich durch ihre Arbeit immer wieder auf diese Aspekte unserer Gegenwart aufmerksam werden lässt, zuletzt in einem Live Stream, in dem es auch um die Bedeutung von Sportveranstaltungen und -ereignissen ging. Sie zeigt Alternativen auf und weckt Sensibilität für fragwürdige Entwicklungen. Ich kann dann klar und bewusst in eine andere Richtung gehen, wo ich Wachstum, Heilung und innere Stärke erfahre. Was unsere korrupte Zivilisation uns lehrt und eintrichtert, ist armselig und verschwindend klein im Vergleich zu dem, was wir wirklich vermögen und sind. Als Mensch bin ich immer wieder von neuem eingeladen, auf Entdeckung zu gehen anstatt mit dem Strom und der blinden Masse auf eine dystopische und technokratische Welt zuzusteuern, deren Umrisse immer klarer auf dem Tablett liegen. Ich möchte nicht in dieser menschenfeindlichen und totalitären Kontrolle aller Möglichkeiten unseres menschlichen Daseins leben. Ich bin für die Freiheit, für Kontakt und Miteinander auf Augenhöhe, für ehrliche Beziehung. Das System, in dem wir leben, scheint all das voranzutreiben, was diesen Werten entgegensteht.

Hier die restlichen Bilder meiner Bergerfahrung zur Junimitte…

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Wow … Worte voller Poesie und Weisheit. Jeder findet seine Oase, wenn er achtsam ist. Bei dir sind es die Berge, bei mir der Wald 🌳 und das Wasser 💦.

    Schön, hast du es beschrieben … danke für das Einblicken und die Einladung zum Eintauchen. 💖

    1. Danke Carola. Ja, und was wären Berge ohne Wald und Wasser? Ich glaube, wir alle suchen und brauchen solche Orte, an denen wir geistig zur Ruhe kommen und offen für neue Eindrücke und Erfahrungen werden. Das ist auch eine Sache der Übung und eine Frage dessen, was uns wirklich wertvoll ist.

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